DJ Stylewarz, 37, ist seit 20 Jahren im Geschäft und eine deutsche HipHop-Legende. Im November war er ein Gast von SoulForce. Er begeisterte im Magnapop auf der ersten Boombox-Party das Krefelder Publikum. Mit uns sprach er vorher über Barack Obama und lästerte über Bushido und den DJ-Nachwuchs.
Welche Platte wirst du denn heute zuerst auflegen?
DJ Stylewarz: Das kann ich dir ehrlich gesagt noch gar nicht sagen. Das weiß ich selber vorher nie. Ich entscheide das ziemlich spontan und mache das davon abhängig, was vorher gelaufen ist und wie die Stimmung so ist. Meine Aussteiger sind auch immer unterschiedlich. Ich habe zwar ein Set, aber das ist nicht so festgefahren. Das wäre auch eher so DJ Haiko auf der 80er Party.
Barack Obama ist der neue Präsident der USA. Du als halber Ami – dein Kommentar dazu?
DJ Stylewarz: Das Beste, was den Vereinigten Staaten von Amerika seit Jahren passiert ist. Ich glaube, die Deutschen checken gar nicht so sehr, wie wichtig die Wahl von Barack Obama ist. Da er der erste afroamerikanische Präsident in der Geschichte ist, hat das eine viel krassere Bedeutung, als wir uns das vorstellen können. Die USA sind geklautes Land, aufgebaut mit geklauten Menschen. Da steckt einfach viel mehr hinter. Jetzt müssen wir abwarten, was passiert.
Was erhoffst du dir? Was soll Obama anders machen?
DJ Stylewarz: Ich glaube, dass alles besser sein wird als unter Bush. Aber präziser kann ich meine Hoffnungen nicht formulieren. Hauptsache, es wird besser – auch wenn das nicht schwer ist. Auf jeden Fall hat Obama einen krassen Start. Er sagt ja selber, dass es nicht leicht wird. Er wird wahrscheinlich die meiste Zeit damit verbringen, die Scheiße von Bush aufzuräumen.
Was an dir ist amerikanisch?
DJ Stylewarz: Hmm… Meine amerikanische Familie ist amerikanisch (lacht). Das ist eine schwere Frage, ich kann sie dir gar nicht richtig beantworten. Denn was ist typisch amerikanisch? Aber ich muss dazu sagen, dass ich mich nicht als Deutscher sehe. Aber da ich hier aufgewachsen bin, habe ich auch typisch deutsche Eigenschaften. Ich bin zum Beispiel relativ pünktlich.
Auf deiner Homepage steht, dass du die gute alte Professionalität im DJ-Biz vermisst. Was macht der Nachwuchs falsch?
DJ Stylewarz: Der Nachwuchs macht nicht alles falsch. Es gibt sehr, sehr viele gute Jungs, die nachkommen, aber ein großer Fehler ist, dass sie sich nicht mit den Basics der HipHop-Musik auseinandersetzen. Viele geben sich nicht die Mühe, zu schauen, woraus diese Musik besteht. Das vermisse ich eigentlich: Dass sich der Nachwuchs auf die Suche nach den Roots macht. Natürlich kann ich nicht davon ausgehen, dass die Jüngeren alles kennen. Das ist auch einfach nicht möglich. Viele verfahren aber nach dem Motto: „Okay, heute lade ich mir zig mp3-Dateien herunter und kaufe keine Platten mehr, weil es ja die DJSoftware Serato gibt.“ Die checken gar nicht, dass sie damit der HipHop-Kultur schaden. Es kommt halt alles von Vinyl, das ist ein Basic-Element. Leider hat Vinyl eh schon seit Jahren einen schlechten Stand und durch so eine Einstellung kriegt es noch mal so einen Schlag von hinten. Jeder soll machen, was er will, aber schade ist das trotzdem irgendwie.
Wie viel Vinyl hast du zu Hause liegen?
DJ Stylewarz: Ich bin letzte Woche nach Hamburg umgezogen – ich glaube, das sind etwas über 20.000 Platten. Zum Glück habe ich ein Umzugsunternehmen engagiert. Denn ich habe mir gedacht: „Wenn du das alles alleine mit Freunden machst, dann bist du danach ziemlich allein auf der Welt.“

Du hast auch mal in Berlin gelebt. Bremerhaven, Berlin, Hamburg – welche der drei Städte ist am schönsten?
DJ Stylewarz: Also, Bremerhaven ist Zuhause, das ist mit nichts zu vergleichen. Und Berlin verliert so haushoch gegen Hamburg. Ich finde Berlin eh komplett überbewertet. Ich finde Berlin so scheiße, das kannst du dir gar nicht vorstellen.
Warum?
DJ Stylewarz: Für mich ist das einfach ein Haufen Scheiße in den Osten gekotzt (lacht).
Und was ist an Hamburg schöner?
DJ Stylewarz: Wasser. Das ist einfach Norddeutschland, da komme ich her.
HipHop assoziieren heutzutage viele Ahnungslose mit Gangsta-Rap. Wie lautet deine persönliche Definition von HipHop?
DJ Stylewarz: Was ich dir sagen kann, ist, dass das, was Leute jetzt von HipHop mitkriegen, eben dieser ganze Gangsta-Bushido-Mongo-Scheiß ist. Also mit „Leute“ meine ich jetzt die 08/15-Gabi, die ihrem Nine-till-five-Job nachgeht und morgens zum Fertigmachen Radio hört. Das hat aber mit dem, was ich mache und was ich darunter verstehe, nichts zu tun. Für mich ist das, was ich mache, etwas Positives. Es hat nichts mit Gewalt, Pornografie und Rassismus zu tun. Das hört sich jetzt zwar ein bisschen dinosauriermäßig an, aber wir haben damals auf uns aufmerksam gemacht, weil wir etwas können. Und die Gangsta-Rapper machen auf sich aufmerksam, indem sie Leute beleidigen und spätpubertär auftreten. Man kann über Bushido denken, was man will. Aber das, was er abliefert, ist Programm für 15-Jährige. Wäre ich jetzt 15, würde ich das vielleicht auch gut fi nden, wenn mir sonst niemand etwas anderes zeigt. Ich mache das schon so lange, ich habe solche Typen schon kommen und gehen sehen. Da sind die auch nur ein kurzer Abschnitt, in dem, was bisher war und noch kommt.
Hast du Bushidos Biografie gelesen?
DJ Stylewarz: Ich gucke mir lieber Jamie Oliver sonntags im Fernsehen an, als Bushidos Biografie zu lesen. Wie alt ist der Typ? 30? Er hat einfach nichts zu erzählen.
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