Vor drei Wochen und vier Tagen habe ich meinen Optimismus verloren. Das Mistvieh ist mir entlaufen und weder Lockrufe noch Leckerlis haben es wieder nach Hause gebracht. Der Brunnen des ungerechtfertigten Vertrauens ist versiegt, der Quell naiver Hoffnung ausgetrocknet. Übrig geblieben sind abgestandenes Stinkwasser und verzweifelte Metaphern.
Seitdem das Karma und ich getrennte Wege gingen, ist viel passiert. Leider nicht viel Gutes. Glaubt nicht, dass ich jetzt schniefend mit Make-up-Ringen und einer fast leeren Rotweinflasche in der Wanne hocke und mich selbst bemitleide. Ich bin schon längst einen Schritt weiter: Ich habe mich dem
schwarzen Kult verschrieben – Zynismus. Bisher habe ich nur einen Mitstreiter an meiner Seite, Gabriel (ist der Name Wink eines Gottes, an den ich nicht glaube?). Er machte mich vom Anakin zum Darth Vader und zog mich auf die dunkle Seite. Mein Lichtschwert sind schnippische Scherze und niederschmetternde Verurteilungen. Meine Freunde, Yoda und Obi-Wan Kenobi, haben mir den Rücken gekehrt. Heute hörte eine gebrechliche Dame unser Spottgefecht über die Liebe und mischte sich ein: „Gefühle sind wie zarte, kränkelnde Blumen, ihr müsst sie hegen und pflegen, damit sie groß und stark werden… sie regelmässig wässern…“. Mit feuchtem Blick und aufmunterndem Lächeln sah sie mich an. Auf meinen Lippen fühlte ich nur ein fieses Schmunzeln und im Gehen sagte ich: „Ich befürworte Pflanzenvernichtungsmittel!“ Sobald die Worte aus meinem Mund waren, fühlte ich mich schrecklich, doch das eklige Monster in mir konnte nicht anders. Gabriel lachte hässlich und schallend. Ein vorbeigehendes Liebespaar zuckte erschrocken zusammen. Die schwangere Frau lächelte mich verlegen an. Kichernd zeigte Gabriel auf ihren Bauch und sagte laut: „Ich wette, er wollte nur ‘nen Blow-Job und jetzt sitzt er in der Scheiße!“ Schamesröte stieg mir in die Wangen und ich blieb stehen. Ich eilte zurück ins Café. Die Dame schaute überrascht, als ich mich neben sie setze. Buddha-gleich blickte sie weise in ihre Tasse und sagte schlürfend: “Niemand hat behauptet, dass es einfach ist.“ Und ich fühlte den Antichrist ein kleines bisschen weichen…
Vanessa J. Richards

