Der Führerschein

Theorie – So klappt das nie

Ich habe meine Angst verdrängt, ähm, besiegt und bin wieder voll motiviert. Das muss ich auch sein, denn diesen Monat habe ich meine theoretische Prüfung. Zwar habe ich anfangs schon gut gelernt und wollte am Schluss nur noch alles wiederholen. Aber die letzte Theoriestunde hat mir dann doch gezeigt, dass ich noch ein bisschen Nachholbedarf habe. Allerdings bin ich wirklich zuversichtlich.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Informationen ein menschliches Gehirn aufnehmen kann. Jeden Tag lernen wir neue Dinge, sei es in der Schule, in zwischenmenschlichen Beziehungen oder auf der Arbeit. Wir müssen funktionieren, ob wir nun wollen oder nicht. Doch irgendwann muss doch sicher auch das Gehirn seine Kapazitätsgrenze erreicht haben. Dann löscht es alte schlimme Erinnerungen, die keiner braucht. So nimmt es zum Beispiel den Kreisverkehr nicht wahr, weil er verschneit ist, oder es lässt uns zu spät einlenken und die Böschung mitnehmen.

Mal im Ernst: Manchmal habe ich das Gefühl, Volker hat den Fuß bei unseren Fahrstunden die ganze Zeit auf der Bremse. Tja, mein Lieber, ich hatte dich gewarnt, dass ich tollpatschig bin. Ist aber echt ein tolles Sicherheitsgefühl, wenn du weißt, dass noch jemand zum Eingreifen da ist.

Ich habe übrigens beschlossen, nur den wichtigsten Menschen in meinem Umfeld zu erzählen, wann ich die Prüfung habe,  dann habe ich nicht so viel Druck und Erwartungen. Keine Gesichter, die vom Grinsen auf Mitleid umschalten, wenn man verkündet, dass man es verbockt hat. Nee, das ist echt das Letzte, was ich gebrauchen kann.

Im Großen und Ganzen muss ich ehrlich sagen, dass ich mich wirklich auf meinen Führerschein freue. Die erste Autoreise ist auf jeden Fall schon geplant. Ab in den Süden soll es gehen. Eine komische Vorstellung, dass Volker nicht mehr neben mir sitzt und mich vor meinen Amok-Aktionen beschützt.

Am meisten freue ich mich aber auf ein neues Kapitel der Unabhängigkeit. Das hat mich am Führerschein schon immer am meisten gereizt. Nie wieder öffentliche Verkehrsmittel. VRR und RVF – auf Nimmerwiedersehen. Kein Warten, kein Frieren in der Kälte, kein Gedränge, kein Umsteigen. Ach, ich könnte euch tausend Sachen aufzählen, die ich nicht vermissen werde. Diese Zeit liegt ja Gott sei Dank bald hinter mir und ich muss mich jetzt konzentrieren, damit ich noch ein bis zwei Liebeskummer-Erinnerungen lösche, damit ich die theoretische Prüfung auf jeden Fall bestehe.

Bis nächste Woche, Lorina

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