Der Führerschein

Der Weg ist das Ziel

Mein Theoriebogen

Heute durfte ich die Vorprüfung für die theoretische Prüfung absolvieren, die dem Fahrlehrer einen Überblick über die Fähigkeiten des Prüflings beschaffen soll. Wenn man diesen individuell zusammengestellten Bogen besteht, bekommt man einen weißen Schein und darf zum TÜV, um die theoretische Prüfung zu machen.

Ich machte mich also auf den Weg zu meiner letzten Theoriestunde. Ich war nervös, denn ich hatte das dumpfe Gefühl, dass beim Lernen nicht so viel hängen geblieben war, wie ich es mir erhofft hatte. Die Fahrschule war rappelvoll und ich suchte mir ein stilles Plätzchen ganz hinten im Raum. Weil ich mittlerweile so scharf drauf war, diesen weißen Schein zu bekommen, hatte ich Volker überredet, den Bogen während der Theoriestunde machen zu dürfen. War übrigens keine gute Idee, denn ich kam mir vor wie Will Smith in „Men in Black“, als er seinen Eignungstest machen musste – ohne Tisch und verzweifelt bemüht, dieses Blatt ruhig auf meinen Beinen zu halten. Dazu kamen die Blicke der Frischlinge in der Theoriestunde, die mich alle neidisch anstarrten.

Es kam, wie es kommen musste: Ich fiel durch. Mit satten zwölf Fehlerpunkten (von zehn erlaubten). Ich machte zum Beispiel aus der Autobahn die Europastraße. Warum auch nicht? Volker schüttelte ratlos den Kopf. Den Rest der Stunde war ich sehr frustriert und hielt mich zurück, was normalerweise gar nicht meine Art ist. Aber Volker nahm mich immer wieder dran und ließ mir keine Zeit zum Trübsal-Blasen.

Nach der Stunde, als alle weg waren, hatte ich ein Gespräch mit ihm. Begeistert war er nicht wirklich von meinem Test. Wir stellten gemeinsam fest, dass es vielleicht nicht die beste Idee war, die Fragen während der Theoriestunde zu beantworten. Volker gab mir noch eine Chance: „Wenn du den nächsten Bogen schaffst, dann lass ich dich gehen. Überzeugt bin ich zwar nicht wirklich, aber schauen wir mal, wie der zweite ausfällt“, sagte er. „Wenn du den aber verhaust, dann gehst du mir noch nicht.“

Arg – auf ein Neues, dachte ich mir. Und es kam wie es kommen musste: Ich bestand. Yeeha! Mit (nur) sieben Fehlerpunkten. Die Freude war groß, doch Volker teilte sie nicht wirklich mit mir. Gut, ich geb‘s zu: Die Glanzleistung des Jahrhunderts war es nicht, aber es ist ja auch ein bisschen Glück, was abgefragt wird.

Auf dem Weg nach Hause rief ich fast jeden in meinem Telefonbuch an, um ihm die freudige Nachricht mitzuteilen. Doch keiner verstand meine Euphorie, weil es ja nur der Vortest war.

Leute, ganz ehrlich, der Führerschein besteht nicht nur aus dem Lappen. Es ist ein langer Weg mit vielen kleinen Hürden. Jede dieser Hürden bringt dich ein Stück näher ans Ziel. Und wie heißt es so schön? Der Weg ist das Ziel.

Bis nächste Woche, Lorina

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