Ich bin zurück aus dem alltäglichen Wahnsinn. Nachdem ich Kinder aus einem brennenden Waisenhaus gerettet, Schmitz’ Katze vom Baum geholt und meine ehrenamtlichen Stunden vollbracht habe, habe ich endlich wieder Zeit für meine längst überfällige Kolumne.
Inzwischen ist eine Menge passiert. Vergangenen Monat erschien ich bei meiner Theorieprüfung, wurde aber brav wieder heim geschickt, da ich diesen blöden weißen Schein vergessen hatte. War sehr ärgerlich, denn ich war echt gut vorbereitet. Eine Woche drauf war es dann wieder so weit und ich probierte erneut mein Glück. Fast wäre auch dieses Vorhaben gescheitert, da mein Personalausweis abgelaufen ist – seit fast einem Jahr. Interessanterweise bemerkten dies weder die Behörden noch die Polizei, sondern die TÜV-Angestellten. Muss ich nicht verstehen, naja. Ist ja alles gut gegangen und nach anderthalb Stunden Warterei, bis meine Nummer aufgerufen wurde, und abwechselnden heulenden und freudigen Gesichtern durfte ich mein Glück probieren und BESTAND – drei Fehlerpunkte. Ich beschloss, dass dies ein akzeptables Ergebnis war und tat das, wofür Volker sich des Öfteren über mich lustig machte. Ich rief mein Handytelefonbuch von oben bis unten durch. Ich zitiere Volker: „Du glaubst vielleicht die Leute interessiert das, Lorina, aber das tut es nicht.“ Tz, Volker, bätsch…
Doch auszuruhen war nicht wirklich drin, denn am darauffolgenden Montag wartete schon die praktische Prüfung auf mich. Nach einer unruhigen Nacht trat ich voller Optimismus am TÜV an. Mit mir im Auto saß ein Mädel, das sehr viel nervöser war als ich. Der Prüfer, ein sympathisches Kerlchen, setzte sich zu uns und fragte uns nach unserem Befinden. Erstaunlicherweise ging es mir wirklich gut. Meine Sitznachbarin durfte als erste und fuhr los. Nach rund zehn Minuten kamen wir an eine Kreuzung. Sie fuhr langsam an und war sichtlich von der Situation irritiert.
Kurze Erklärung:
Sie fuhr auf die Kreuzung zu, die Linksabbiegerampel war auf Grün geschaltet und die für geradeaus Fahrende auf Rot. Sie schaute dauerhaft auf die Linksabbiegerampel und wusste nicht, ob sie fahren durfte.
Volker hob seine Hand hysterisch hoch und runter, um ihr zu signalisieren, dass sie bremsen solle, doch sie deutete es als Gas geben. Sie drückte ihren Fuß durch und wir ratterten volle Kanone über Rot – Durchgefallen.
Ui, das fing ja gut an, dachte ich mir und stieg vorne ein. Wir fuhren und fuhren und alles war in Ordnung. Dann erreichten wir die Autobahn – auf meiner Hassliste ganz oben.
Auf dem Beschleunigungsstreifen trat ich ordentlich auf die Pedale und huschte bei der nächsten Gelegenheit flink auf die Autobahn. Im Augenwinkel sah ich das entsetzte Gesicht von Volker und ich wusste, dass ich einen Fehler begangen hatte. Es dämmerte mir: Ich bin zu früh rüber und über eine durchgezogene Linie gefahren.
Scheiß drauf, dachte ich mir. Solange er mich nicht anhält, ist noch nichts verloren. Ich durfte tatsächlich weiterfahren und lenkte uns bei der Autobahnabfahrt fast ins Gebüsch. Zu meinem Erstaunen durfte ich auch hier weiterfahren und zwängte mich mit dem dicken Brummer, 5er BMW Kombi, durch Krefelds Seitengassen. An der Fahrschule angekommen zückte der Prüfer meinen Führerschein. Da war er also – ein harmloses Stück Plastik – und doch so reizvoll. Der Prüfer zählte mir meine ganzen Fehler auf und war sich nicht sicher, ob er mir meinen Führerschein überreichen sollte.
Meinen Gedankengang brauche ich ja wohl nicht zu beschreiben, als er mit dem Führerschein vor meiner Nase hin und her schwang.
Endlich sagte er die erlösenden Worte: „Okay, im Großen und Ganzen sind Sie gut gefahren und ihre Fehler nehme ich als Nervosität war“ und da hielt ich ihn in den Händen. Blut, Schweiß und Tränen sind dafür geflossen und da war er endlich. Die dreimonatige Schwangerschaft war zu Ende, die Geburt war anstrengend, aber mein Baby lag endlich in meinen Armen.
Fazit: Inzwischen bin ich mit drei verschiedenen Autos gefahren, habe die erwarteten Lacher dank meines Führerscheinfotos erhalten und habe meinen Führerschein im ekligsten Putzeimer aller Zeiten – Frühjahrsputz lässt grüßen – versenkt.
Eine tolle Zeit, ein lustiger Fahrlehrer, ein neues Stück Freiheit und ein Führerschein, der sich gewaschen hat.
Alles Liebe, eure Lorina








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